Donnerstag, 18. Dezember 2014

Staechelin Kopfbalken 026

Sägen und Bearbeiten

Marmor - das Sägen und die Bearbeitung.

Steinbruch-09

Erst gegen Ende des 18. Jahrhunderts entstanden die sogenannten Gatter zum Sägen der Steinblöcke in Platten.Die Sägereien an oder in der Nähe eines Wasserlaufs, mit dem sie durch einen Kanal Gora verbunden waren, sind mit den Mühlen vergleichbar. Das zufliessende Wasser trieb die Wasserräder an, und diese besorgten die Bewegung der Gatter. Das Rad sammelte auch Wasser in den Gefässen, die rings um seinen Rand angebracht waren. Diesem wurde in einem ganz bestimmten Verhältnis alter und neuer Silikatsand hinzugefügt, dann die Mischung über die Sägeblätter auf die zu schneidende Oberfläche des Blockes befördert, da wirkte sie als Schleifmittel.

Die ersten Gatter hatten nur ein einziges Sägeblatt, später mehrere, die aber von Hand dirigiert werden mussten, bis ein tiefer Anschnitt entstanden war. Dann wurden die Anlagen wesentlich verbessert durch das Anbringen von gusseisernen Säulen und Führungsschienen seitlich der Gatter. Die akustisch geübten Arbeiter gaben die auf den Block geschaufelte und genässte Sandmischung nun nur nach Gehör den Sägeblättern bei. Im Jahr 1870 gab es noch 40 Sägereien dieser Art in Carrara, 15 in Massa, 26 in Seravezza.


Steinbruch-05

Auch in den Steinsägereien hielten die neuen technischen Errungenschaften langsam Einzug. Vor allem die Elektrizität verdrängte die alten mit Wasser betriebenen Sägemühlen nach und nach. Die Gatter und deren Nebeneinrichtungen wurden technisch verbessert. Dazu ein Beispiel: Ein Gatter, das gleichzeitig 80 Platten sägen kann, wurde in den letzten sechzig Jahren derart modifiziert, dass die Sägeleistung verdoppelt wurde. Dies bedeutet aber nur, dass die Kapazität von einem Zentimeter pro Stunde auf zwei erhöht wurde.

Es dauert aber immer noch etwa 100 Stunden, bis ein Zweimeterblock in Platten zersägt ist.

Einzig die Verbesserungen an den Maschinen und Hilfsgeräten sind bemerkenswert. Hier sei genannt das System des Senkens, die automatische Wasserzufuhr, das Ersetzen der Wasserräder durch Pumpanlagen, die elektromechanischen Generatoren im Falle eines Stromausfalls, der weitgehende Einsatz von mechanischen Hebevorrichtungen usw.

In den letzten Jahren hat das Diamantgatter vollständig das traditionelle Gatter ersetzt, dies mit zehnfacher Zunahme der Produktivität. Zwischen 1920 und 1930 begann man schliesslich mit dem Bau respektive der Erweiterung der für den Im- und Export ausgerichteten Hafenanlage von Carrara. Der Hafen spielt eine wichtige Rolle in der Einfuhr von Materialien aus aller Welt, die dann an Ort und Stelle weiterverarbeitet werden und als Endprodukt wieder ausgeführt werden.


Steinbruch-04

Heute importieren, verarbeiten und exportieren die toskanischen steinverarbeitenden Betriebe in Carrara, Massa und dem umliegenden Küstengebiet Granit und andere Natursteine aus aller Welt in alle Welt.

Viel zu schreiben gäbe es auch über die mannigfaltige Weiterbearbeitung des Marmors in den Werkstätten, die eine grosse Bedeutung haben, denn diese verwirklichen schlussendlich alle architektonischen und künstlerischen Pläne. Dies würde den Rahmen dieser Schrift jedoch sprengen.

Die Mechanisierung und die Technisierung im zwanzigsten Jahrhundert hat - vor allem in den letzten Jahrzehnten - eine gewaltige, ja, noch vor einigen Jahren unvorstellbare Entwicklung gebracht. Eine industrielle Vorwärtsbewegung, die auch an der Naturstein-Industrie nichtcomputerlos vorbeigegangen ist.

Und so ist es möglich, dies sei nur ein Beispiel, dass ein Block, der im Computer nicht oder falsch erfasst wurde, gar nicht existiert, somit auch nicht verkauft werden kann, obwohl der Einkäufer diesen selbst im riesigen Freilager gesehen hat.


Steinbruch-13

Die Beschreibung der Steinbrüche, der Abbau- und Transportmittel bis zum Sägen der Blöcke am Beispiel des Marmor aus den Apuanischen Alpen wurde gewählt, weil im Prinzip diese Förderungstechnik für alle anderen Natursteine in etwa die gleiche war und ist. Sei dies im südamerikanischen Brasilien, im afrikanischen Nigeria, im asiatischen China, im einsamen Norden Kanadas, im weiten Australien, im tropischen Indien oder in den toskanischen Travertinbrüchen.

Eines soll hier nochmals unverbrüchlich festgehalten sein: In allen Steinbrüchen der Welt ist der Mensch, der Arbeiter, immer noch das wichtigste Glied im Förderungsprozess, auch wenn der Sprengmeister im Bruchteil einer Sekunde das erledigt, was früher lange und mühselige Arbeit bedeutete. In der ältesten Industrie der Welt ist eine Verarbeitung ohne gelernte Facharbeiter auch heute nicht möglich, wie dies in anderen Industrien mit Serienproduktionen der Fall ist.

Ein Meister im Metier Natursteine zu werden ist ebenso schwer, wie es nicht leicht ist, ein Ingenieur zu werden. Wenn dieser 18 Jahre zur Schule gehen muss, so braucht der Steinverarbeitende eine Gesellen- und Meisterprüfung und dazu die Erfahrung vieler Generationen.



Beim Breitenstein 20 · DE-79588 Efringen-Kirchen · Telefon +49 7628 28 72 · E-Mail info@staechelin.de
© 2014 Granit-Marmorwerk Stächelin GmbH. Der Inhalt dieser Website ist urheberrecht­lich geschützt und dient lediglich zu Informations­zwecken ohne Rechts­verbindlich­keit.
18.12.2014
23:15 Uhr MEZ